Schweizerisch-marokkanische Kollaborationen

Die Ausstellung swap2016 des in Zürich und Marrakech gegründeten KE’CH Collectives zeigt an der diesjährigen Marrakech Biennale ein Dutzend Schweizer und marokkanische Kunstschaffende, die in einem transkulturellen Labor zusammenarbeiten.

Aus der künstlerischen Auseinandersetzung mit der europäischen und der nordafrikanischen Identität gehen zehn verschiedene Werke hervor.Dazu gehören unter anderem die Berberteppiche mit eingewebten Frauengesprächen des Künstlerduos Embroiderers of Actuality, eine fotografische Brieffreundschaft auf Instagram zwischen der Schweizer Fotografin Marie Sutter und der marokkanischen Galeristin Laila Hida oder eine Anthologie von Anna-Sabina Zürrer, Preisträgerin des Kunst Zürich Förderpreis 2015, welche in Zusammenarbeit mit der Marokkanerin Rita Alaoui entstanden ist.

Das KE’CH Collective wurde von jungen Kreativen aus der Schweiz und Marokko als transkulturelle Plattform für zeitgenössische Kunst und Kultur gegründet. Mit der Ausstellung swap2016 lanciert das Kollektiv seine erste Arbeit an der Marrakech Biennale 6. Erwartet werden rund 100’000 Besucher und 100 Künstler aus 30 Ländern. Der Name KE’CH ist ein Wortspiel aus der Kurzform für Marrakech «Kech» und der Abkürzung CH für die Schweiz. Das Kollektiv möchte mit seinem ersten Projekt swap2016 junge, aufstrebende Schweizer und marokkanische Kunst- und Kulturschaffende fördern und eine länderübergreifende Laborsituation zwischen Kreativen ermöglichen.

KE'CH

Eine Übersicht der Künstlerarbeiten, welche im Rahmen der Ausstellung swap2016 in einem Riad mitten in der Medina Marrakechs gezeigt werden:

The Common Collection – An Anthology by
Anna-Sabina Zürrer, Künstlerin, lebt in Sachseln
Rita Alaoui, Künstlerin, lebt in Casablanca

Die beiden Künstlerinnen führen seit Herbst 2015 eine fotografische Brieffreundschaft auf einem gemeinsamen Instagram-Profil. Dort veröffentlichen sie alle 14 Tage zu einem neuen gemeinsamen Begriff Bilder aus ihrer Umgebung, ihren Archiven und ihrem Leben. An der Biennale treffen die Beiden erstmals aufeinander und werden gemeinsam mit ihren Bildern einen Raum bespielen. Ein Diskussionsabend über ihre Eindrücke, Erwartungen ans Gegenüber, Gefühle zu einzelnen Begriffen und zum Thema Fotografie und Social Media, insbesondere Instagram, vollendet die Arbeit.


Embroiderers of Actuality by
Aglaia Haritz, Künstlerin aus Bellinzona, lebt in der Schweiz und Marokko
Abdelaziz Zerrou, Künstlerin aus Casablanca, lebt in der Schweiz und Marokko

Das Künstlerduo arbeitet mit einer Berber-Frauenkooperation zusammen, die Teppiche webt. Sie vereinen während des Webens die Schriftzeichen der alten Berber-Sprache als Muster auf dem Teppich mit den Gesprächen der Frauen. Die Frauen weben gut einen Monat an den Teppichen. Die Gespräche und Diskussionen, beispielsweise zur Stellung der Frau in arabischen Ländern, werden dokumentiert und mit dem Teppich zusammen ausgestellt.


Goran Galic, Künstler, aus Hochdorf, lebt in Zürich
Gian-Reto Gredig, Künstler, aus Arosa, lebt in Zürich

Das Schweizer Künstlerduo zeigt seine fortlaufende Arbeit «Führungen», für die es weltweit in verschiedenen Städten Touristenführungen mit Video dokumentiert. Das Duo untersucht dabei das Verhältnis zwischen den Touristen und dem Geschichten erzählenden Guide. Für den swap2016 nehmen sie eine Führung in Marrakech auf, die sie in einer Videoinstallation zusammen mit fünf weiteren Führungen zeigen.


Serio & Sead, Soundkünstler-Duo, aus Lugano/Zürich
Ghizlane Sahli, Künstlerin, Architektin, Szenografin, aus Meknes

Die Arbeit der marokkanischen Künstlerin nimmt den gesamten Raum ein, ohne traditionelle Einschränkungen wie Wände, Boden und Decke zu beachten. Es entsteht eine Höhle, eingekleidet mit Alveolen, welche aus recycelten PET-Flaschen und Seidenfäden gefertigt wird. Untermalt wird das Erlebnis von einer Soundinstallation des Schweizer Musikproduzenten-Duos Serio & Sead.


Flavia Horat, Szenografin und Künstlerin, lebt in Zürich

Flavia Horat zeigt einen Ausschnitt aus ihrer fortlaufenden Arbeit Madentity, in der sie Auslandsschweizer an ihren Sehnsuchtsorten porträtiert. Was mit der Untersuchung vom Umgang mit unterschiedlichen Kulturen begann, wurde in der Zwischenzeit zur Dokumentation von Lebensgeschichten. Gemeinsam sind ihnen die Herkunft, das Leben in der Ferne und der Moment der Reflexion. Horats Arbeit stellt den Menschen mit seinem von Sehnsucht getriebenen Lebensweg in den Mittelpunkt.


Die Vernissage findet am 25. Februar statt. Die Ausstellung dauert bis am 8. Mai.
www.kech-collective.com

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